Nach 1870 und 1914 wurde das Elsass 1939 zum dritten Mal in nicht einmal 70 Jahren Schauplatz eines brutalen Krieges, dessen Wunden bis heute nicht ganz verheilt sind. An Orignal-Schauplätzen wollen wir uns mit unterschiedlichen Schicksalen dieser Zeit beschäftigen. Wir hören Geschichten von Besatzern und Besetzten, von Opfern und Tätern, von Widerstandskämpfern und Kollaborateuren. Und wir begreifen, wie am Ende aus einem zerrissenen Grenzland die Keimzelle des Vereinten Europas werden konnte.
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Mo 11.04.- So 14.04.2022 (4-tägig)
Preis im DZ: 655 Euro (inkl. Bus, Hotel u. Frühstück)
Veranstalter: Hirschreisen Karlsruhe
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Programmverlauf:

1. TAG: Widerstand und Kollaboration

Mannheim 7.00 Uhr – Karlsruhe 8.10 Uhr – Anreise über die schöne Pfalz mit thematischer Einführung. Vormittags besuchen wir den Four à Chaux bei Lembach, eine der mächtigsten Festungen der Maginot-Linie, mit der Frankreich einen neuerlichen Angriffskrieg Deutschlands verhindern wollte. Zugleich hören wir, wie der Lembacher Arzt und Dichter Paul Bertololy den Bau der Anlage in den 30ern erlebte. Danach geht es in die Vogesen auf die etwa zur gleichen Zeit errichteten Hüneburg, einst Wohnsitz des elsässischen Autonomisten Fritz Spieser. Durch seine Freundschaft zu Heinrich Himmler wurde der Ort in der Besatzungszeit zu einer Hochburg der Kollaboration. Nach dem Besuch der Anlage geht es über die Elsässer Weinstraße nach Andlau zu

unserem Hotel.

2. TAG: NS-Terror und Gedenkkultur

Andlau – durch das Breuschtal fahren wir nach Schirmeck, wo die Nationalsozialisten im August 1940 ein brutales Arbeitslager einrichten. Heute befindet sich dort das „Mémorial d‘Alsace et de Moselle“, in dem die Geschichte des Elsass und der angrenzenden lothringischen Gebiete durch Videos und Installationen anschaulich dargestellt wird. Nach einer Besichtigung der Ausstellung und der Mittagspause fahren wir auf das „Champ du Feu“ zur Gedenkstätte Struthof. Sie erinnert an das gleichnamige Konzentrationslager, das einzige seiner Art auf französischem Boden. Über 50.000 Menschen wurden hier ab Mai 1941 interniert, über 20.000 verloren ihr Leben. Wir sehen das ehemalige Lagergelände sowie das „Europäische Zentrum der Deportation und des Widerstands“. Anschließend geht es über die Vogesenhochstraße zurück nach Andlau.

3. TAG: Letzte Kämpfe und Wiederaufbau

Andlau – im Januar 1945 kehrte der Krieg durch das „Unternehmen Nordwind“ noch einmal mit brutaler Macht ins Elsass zurück. Wir sehen das Gebiet der Panzerschlacht von Hatten und besuchen das in einem ehemaligen Unterstand untergebrachte Museum. Ein Zeichen der Hoffnung und des Friedens sind die faszinierenden Glasfenster der wieder aufgebauten Kirche „Saint-Gall“ im Nachbarort Rittershoffen. Nach einem gemütlichen Flammkuchenessen im Wald von Haguenau fahren wir in die alte Bäderstadt Niederbronn-les-Bains, wo in den 60er Jahren ein Sammelfriedhof für über 15.000 im Elsass gefallene deutsche Soldaten angelegt wurde. Wir besichtigen den Ort sowie das angegliederte Jugendbegegnungs-Zentrum „Albert Schweitzer“. Dabei erfahren wir Spannendes über die dort seit Jahrzehnten geleistete pädagogische Arbeit und lernen die 2009 eingerichtete

Ausstellung „Kriegsschicksale“ kennen.

4. TAG: Von der „Gauhauptstadt“ zur Hauptstadt Europas

Andlau – nach dem Frühstück fahren wir nach Straßburg, 1940-44 Hauptstadt des „Gaus Oberrhein“. Zunächst besuchen wir im Ortsteil Cronenbourg den deutsch-französischen Soldatenfriedhof, bevor wir einen Rundgang auf Spuren der NS-Geschichte der Stadt machen. Wir sehen u.a. den einstigen Dienstsitz von Gauleiter Robert Wagner, die Folterkeller der Gestapo und den Ort der zerstörten Synagoge. Seit 2019 erinnern verschiedene Stolpersteine an während der Besatzung ermordete Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Es sind die ersten ihrer

Art, die auf französischem Boden verlegt wurden. Nach der Mittagspause bringt uns der Bus ins europäische Viertel von Straßburg, das als Antwort der zivilisierten Welt auf den Zweiten Weltkrieg gelten kann. Letzte Station unserer Reise ist die deutsche Nachbarstadt Kehl, wo wir im Ortsteil Neumühl einen erhaltenen Bunker des Westwalls besichtigen. Außerdem hören wir vom besonderen Schicksal der Stadt, die bis 1952 de facto ein Teil Frankreichs war. Von dort geht es schließlich zurück nach Karlsruhe (ca. 19.00 Uhr) und Mannheim (ca. 20.00 Uhr).

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