Vom fatalistischen Todeskult zur dadaistischen Lebensbejahung – der Erste Weltkrieg in Elsass-Lothringen aus literarischer Sicht

»Die ganze Welt ist ein Elsass-Lothringen«: Mit diesen Worten charakterisierte der Schriftsteller Maurice Barrès die militärische und ideologische Bedeutung des (noch) deutschen »Reichslandes« im Großen Krieg von 1914-18. Zahlreiche deutsch- und französischsprachige Schriftsteller haben diesen vielleicht »literarischsten« aller Kriege als Zeitzeugen miterlebt: an der Graben- ebenso wie an der Heimatfront. Im Rahmen dieses Vortrags werden einige von ihnen mit ihren Texten und jeweiligen Schicksalen vorgestellt: Einheimische wie Auswärtige, Männer wie Frauen, Nationalisten wie Pazifisten.
Am Anfang dieser Zeitreise durch fünf dunkle Jahre steht die »Zaberner Affäre«, die bereits im Jahr 1913 einen Vorgeschmack auf kommendes Unheil vermittelte. Zu den Autoren, die sich damit auseinandersetzten, gehörten der Österreicher Joseph Roth und der Franzose Maurice Barrès, der Deutsche Erich Mühsam und der Russe Wladimir Iljitsch Lenin.
Durch blutige Grenzschlachten wurde Elsass-Lothringen dann bereits ab Sommer 1914 selbst zum Kriegsschauplatz. Dies wird unter anderem am Beispiel der Lothringerin Adrienne Thomas und des Elsässers Ernst Stadler erläutert, deren Kriegstagebücher wertvolle, literarische Zeugnisse jener Zeit sind. Aber auch die Rolle der Propagandaliteratur soll nicht vergessen werden.
Mit dem Jahr 1915 begann ein zermürbender Stellungskrieg, dessen Grauen der französische Autor Paul Acker am Hartmannsweilerkopf im Elsass und sein deutscher Kollege Ernst Jünger bei Les Eparges in Lothringen erlebte. Auch der in Saargemünd stationierte Arzt und Dichter Alfred Döblin sollte angesichts dieser Ereignisse seine anfänglich positive Einstellung zum Krieg schon bald gründlich revidieren…
Doch erst 1916, als das Massensterben vor Verdun und an der Somme einen neuen Höhepunkt erreichte, formierte sich wachsender Widerstand, nicht zuletzt unter den Intellektuellen Elsass-Lothringens: In Zürich entstand damals rund um das Cabaret Voltaire die literarische Protestbewegung des Dadaismus, an der der Elsässer Jean Hans Arp und der Lothringer Ivan Goll wesentlichen Anteil hatten. Auch die in Zürich erscheinende und von dem Elsässer René Schickele herausgegebene Zeitschrift »Die weißen Blätter« trat für Frieden und Völkerverständigung ein.
1917 verlagerte sich das militärische Geschehen von der West- an die Ostfront, wodurch Elsass-Lothringen etwas aus dem Fokus geriet. Doch für den in Afrika lebenden Elsässer Albert Schweitzer begann der Krieg in diesem Jahr erst richtig. Seit Kriegsbeginn lebte er unter Hausarrest, nun musste er mit seiner Frau in ein Gefangenenlager übersiedeln, aus der er erst im nächsten Jahr entlassen wurde. Nach seiner Rückkehr ins heimatliche Elsass, fand er ein verwüstetes und ausgeblutetes Land vor, auf dem noch immer der Krieg lastete und das schließlich in die Revolution schlitterte. In Lothringen erlebte der deutsche Autor Ernst Moritz Mungenast diese ereignisreichen Wochen mit, im Elsass wurde der junge Schriftsteller Louis Aragon Augenzeuge des Umbruchs.
Am Ende des Vortrags steht ein Ausblick auf das literarische Echo des Ersten Weltkriegs von 1919 bis heute und dessen menschliche Botschaft, die sich in den Worten zusammenfassen lässt: Nie wieder Krieg!
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Mo 23.04.2018 (19h-21h): Bruchsal (Stadtbibliothek)
Preis auf Anfrage
Veranstalter: Stadtbibliothek Bruchsal
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