»Das Land der Vogesen und das Land des Schwarzwaldes waren wie die zwei Seiten eines aufgeschlagenen Buches« (René Schickele).
Die folgenden Vorträge laden dazu ein, verschiedene Kapitel dieser zugleich trennenden und verbindenden Geschichte zu vertiefen. Sie dauern i.d.R. 90 Minuten und kosten 250 € zzgl. UST und Nebenkosten.
Trennungs-, Binde-, Federstrich: Der Oberrhein in der
römischen Literatur
Schon immer war der Rhein Trennungs- und Bindestrich zugleich.
Die Frage, was im Vordergrund steht, wurde schon früh in der
Literatur verhandelt. Sie ist ein Gespräch über Landes- und
Epochengrenzen hinweg. Am Anfang stehen römische Dichter, deren
Wirkungsgeschichte weit über ihre Zeit hinausreicht. So prägen
die Schriften von Caesar, Vergil, Ovid und Tacitus unsere
Vorstellungen vom barbarischen und zivilisierenden, vom
germanischen und gallischen, vom trennenden und verbindenden
Strom bis heute.
Gott, Tod und Teufel: Der Oberrhein in der
mittelalterlichen Literatur
Das Frankenreich hat eine vielfältige Literatur hervorgebracht,
die leider nur fragmentarisch erhalten blieb. Wir hören von
merowingischen, karolingischen und ottonischen Autoren, das
römische, germanische und christliche Erbe zu etwas Neuem
verbinden. Mit der staufischen Klassik tritt neben die
lateinische Sprache selbstbewusst und gleichberechtigt auch das
Mittelhochdeutsche, neben Stimmen von der linken Rheinseite
hören wir erstmals auch solche von der rechten, neben männlihe
erstmals auch (hörbare) weibliche.
Narren, Hexen, Humanisten. Renaissance-Literatur am
Oberrhein
Zwischen dem 100-jährigen Krieg in Frankreich und dem
30-jährigen Krieg in Deutschland erleben die Menschen am
Oberrhein eine lange Friedens und geistige Blütezeit, die zu
den Sternstunden der regionalen Geschichte gehört. Im Vortrag
werden die wichtigsten Strömungen jener Epoche vorgestellt, die
im oberrheinischen Humanismus wurzeln und im Bauernkrieg und
der Reformation kulminieren. Katholiken und Lutheraner,
Calvinisten und Täufer ringen damals um den »richtigen« Weg zu
Gott und den Menschen und liefern uns damit bis heute ein
Beispiel für gelebte Vielfalt in einer schwieriger Zeit.
»Im Feur und Rauch verloren« – Barock-Literatur am
Oberrhein
Die Überhitzung der Gemüter führt im 17. Jh. zu einer
Explosion, die eine materielle und geistige Trümmerlandschaft
hinterlässt. Der 30-jährige Krieg und seine »Nachbeben« lassen
die linke Rheinseite weitgehend verstummen, während auf der
rechten barocke Autoren angesichts des unsagbaren Grauens neue
Ausdrucksformen suchen, deren Radikalität teilweise erst in
jüngerer Zeit erkannt und wieder aufgegriffen wurde.
Deutsch-französischer Literaturfrühling um
1714
1714 beendete der Friede von Rastatt eine hundertjährige
Kriegsperiode in der deutsch-französischen Geschichte. Auch das
literarische Leben beiderseits des Rheins blühte wieder auf,
und doch sind die Autoren jener »Schwellenzeit« zwischen
Spätbarock und Frühaufklärung heute weitgehend vergessen. Der
Vortrag lässt deutsche und französische Schriftsteller des
frühen 18. Jahrhunderts wieder lebendig werden, stellt ihre
wichtigsten Werke vor und geht der Frage nach, wie ein
deutsch-französisches Dichtertreffen damals wohl ausgesehen
hätte. Leibnitz, Brockes und Johann Christian Günther kommen
dabei ebenso zu Wort wie Fénelon, Lesage und der junge
Voltaire.
Sturm und Drang am Oberrhein – eine literarische
Revolution
Um 1770 wird die protestantische Universität von Straßburg zum
Dreh- und Angelpunkt einer literarischen Revolution, die der
politischen von 1789 um nur wenige Jahre vorausgeht. Junge
Dichter von beiden Seiten des Rheins wirken daran mit: die
Deutschen Johann Gottfried Herder, Johann Heinrich
Jung-Stilling, Jakob Michael Reinhold Lenz und Johann Wolfgang
Goethe, aber auch die Elsässer François Christian Lersé,
Heinrich Leopold Wagner und Frédéric-Rodophe Salzmann. Durch
ihr Leben und Arbeiten werden auch andere Orte am Oberrhein zu
Schauplätzen der europäischen Literaturgeschichte. Vorgestellt
werden der Pfarrhof von Sessenheim, wo Goethe und Lenz sich in
Friederike Brion verlieben, das Schlosser-Haus in Emmendingen,
das Cornelia Goethe zu einem Dichtertreff macht, die alte
Vauban-Festung von Kehl, in der Goethe und andere Autoren der
Aufklärung gedruckt werden, und das Nationaltheater von
Mannheim, wo mit der Uraufführung von Friedrich Schillers
»Räubern» der Sturm und Drang seinen Höhe- und Schlusspunkt
findet.