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Literarisches Straßburg – ein Spaziergang im Sitzen
Immer wieder hat die elsässische Metropole Schriftsteller aus Frankreich, Deutschland und anderen Ländern in ihren Bann gezogen: vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Unter ihnen sind so bekannte Namen wie Sebastian Brant, Giacomo Casanova, Victor Hugo, Theodor Fontane, Alfred Döblin und natürlich Goethe. Der abwechslungsreiche Vortrag führt durch ein Jahrtausend Straßburger und europäischer Geschichte und ist gewürzt mit literarischen Anekdoten und originellen Zitaten.

Humanismus am Oberrhein
Zwischen dem 100-jährigen Krieg in Frankreich und dem 30-jährigen Krieg in Deutschland erlebten die Menschen am Oberrhein eine lange Friedens und geistige Blütezeit, die zu den Sternstunden der regionalen Geschichte gehört.
Im Vortrag werden die wichtigsten Strömungen jener Epoche vorgestellt, die im oberrheinischen Humanismus wurzeln und im Bauernkrieg und der Reformation kulminieren. Katholiken und Lutheraner, Calvinisten und Täufer rangen damals um den »richtigen« Weg zu Gott und den Menschen und liefern uns damit bis heute ein Beispiel für gelebte Vielfalt in einer schwieriger Zeit.

Deutsch-französischer Literaturfrühling um 1714
1714 beendete der Friede von Rastatt eine hundertjährige Kriegsperiode in der deutsch-französischen Geschichte. Auch das literarische Leben beiderseits des Rheins blühte wieder auf, und doch sind die Autoren jener »Schwellenzeit« zwischen Spätbarock und Frühaufklärung heute weitgehend vergessen. Der Vortrag lässt deutsche und französische Schriftsteller des frühen 18. Jahrhunderts wieder lebendig werden, stellt ihre wichtigsten Werke vor und geht der Frage nach, wie ein deutsch-französisches Dichtertreffen damals wohl ausgesehen hätte. Leibnitz, Brockes und Johann Christian Günther kommen dabei ebenso zu Wort wie Fénelon, Lesage und der junge Voltaire.

Sturm und Drang am Oberrhein
Um 1770 wurde die Universität Straßburg zum Dreh- und Angelpunkt einer literarischen Revolution, die der politischen von 1789 um nur wenige Jahre vorausging. Junge Dichter von beiden Seiten des Rheins wirkten daran mit: die Deutschen Herder, Jung-Stilling, Lenz und Goethe, aber auch die Elsässer Lersé, Wagner und Friedrich Saltzmann. Doch auch andere Orte gingen in die Literaturgeschichte ein: der Pfarrhof von Sessenheim, wo Goethe und Lenz sich in Friederike Brion verliebten, das Schlosser-Haus in Emmendingen, das Cornelia Goethe zu einem Dichtertreff machte, und die Residenzstadt Mannheim, wo mit der Urauf-führung von Schillers „Räubern“ der Sturm und Drang seinen Höhe- und Schlusspunkt fand.

Raue Ost-Schweiz
»Die Stimme wars des edelsten der Ströme, des freigeborenen Rheins«: So beschreibt Friedrich Hölderlin das wilde Rauschen des noch jungen Rheins, der sich seinen Weg durch die Schweizer Alpen bahnt und erst am Bodensee zur Ruhe kommt. Von den Weingütern und Dichterklausen des Thurgaus geht es dann weiter ins kosmopolitische Basel, wo sich seit Jahrhunderten deutsche, französische und Schweizer Schriftsteller begegnen, nicht selten bei einem Gläschen Wein.

Johannes Beinert – ein Leben am Oberrhein
Johannes Beinert wurde 1877 in Eckartsweier geboren und fiel vor genau 100 Jahren im Alter von nur 38 Jahren in der Somme-Schlacht. Als Deutsch- und Französischlehrer kannte und liebte er beide Staaten, auch wenn sich diese zu seinen Lebzeiten als Todfeinde gegen-überstanden. Doch vor allem schlug sein Herz für ein Land, das bis zur Französischen Revo-lution Gebiete auf beiden Seiten des Rheins umfasste, das es zu seinen Lebzeiten als politi-sche Größe aber gar nicht mehr gab: das Hanauerland.
Der Vortrag zeichnet Beinerts Lebensweg vom Bauernsohn zum Doktor der Philosophie nach, der nach eigener Aussage »wie ein Märchen« klingt. Dabei werden seine journalistischen, literaturwissenschaftlichen und heimatkundlichen Veröffentlichungen ebenso gewürdigt wie sein vielfältiges Engagement als begeisterter und begeisternder Pädagoge, als Mitbegründer des Historischen Vereins Mittelbaden und als Mitinitiator des Moscherosch-Denkmals in Willstätt.

Elsässer und Europäer – René Schickele
Der elsässische Schriftsteller René Schickele war französischer »Citoyen«, deutscher Dichter und überzeugter Europäer. Anhand von Anekdoten, Bildern und Textbeispielen wird seine Bedeutung als grenzüberschreitender Autor und Vermittler zwischen den Völkern vorgestellt und seine zukunftsweisende Vision für ein vereintes Europa erläutert.

Sartre und das Elsass
Vor 1914 hielt sich Jean Paul Sartre – ein Großneffe Albert Schweitzers – wiederholt in Pfaffenhofen auf, dem Heimatdorf seiner Familie mütterlicherseits. Im 2. Weltkrieg diente er als Soldat u. a. in Brumath und Morsbronn. Nach dem Krieg setzte sich der Philosoph und Schriftsteller in seinen Romanen und seiner Autobiographie »Die Wörter« intensiv mit diesen Orten auseinander. Der Vortrag vermittelt einen Überblick über den Stellenwert, den das Elsass in Sartres Leben und Werk einnimmt.